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Sonntag, 3. Mai 2026

Weserfähren

Wenn man klein ist, Huckleberry Finn gelesen hatte, aber statt des Mississippi nur die Weser vor der Tür hatte, dann war die einfachste Art, Schiffsplanken unter die Füße zu bekommen, die Fähre nach Lemwerder zu nehmen. Wenn man nicht auf dem Anleger der Schreiber Reederei Schlepperkapitäne so lange anbettelte, dass sie einen auf einer Leerfahrt bis nach Farge mitnahmen. Da mußte man aber Geld für den Bus mit dabeihaben, um wieder nach Hause zu kommen. Das erzählte man nie den Eltern. 


Die Fähre über die Weser gibt es schon seit dem 13. Jahrhundert, das ist urkundlich belegt. Fähre bedeutete durch die Jahrhunderte Ruderboote. Für den Personenverkehr wurden noch bis ins 20. Jahrhundert Ruderboote eingesetzt. In den fünfziger Jahren gab es die Ruderboote noch auf der Lesum: man schlug eine Glocke am Ufer an, und schon kam der Fährmann mit dem Ruderboot. Wie hier auf dem Photo mit der Moorlosen Kirche im Hintergrund, das um 1890 gemacht wurde.

Seit dem 30. April 1889 gab es die dampfgetrieben Fähre Frieda, die für fünf Pfennig fünfunddreißig Menschen von Vegesack nach Lemwerder beförderte, das war ein großes Ereignis. Pferdefuhrwerke kosteten 1,50 Mark. Die Fähre war nicht bei uns gebaut worden, obwohl wir im Ort Werften genug hatten. Die Frieda kam von der Sächsischen Dampfschiff-und Maschinenbauanstalt Dresden. Mit der Zeit wurden die Fähren größer. In den zwanziger Jahren übernahm Wilhelm Niekamp aus Lemwerder den Fährverkehr, seitdem hatte diese Familie die Weserfähren unter sich. 1993 wurde die Fähren Bremen-Stedingen (FBS) gegründet, an der das Land Bremen einen Anteil hat.

Niekamp ließ bei Lürssen 1924 die kleine Hol Ober bauen, die dann später die Badegäste zum Schönebecker Sand brachte, da passten doppelt so viele drauf wie auf die Frieda. 1935 wurde die Stedingen bei Abeking gebaut, die noch bis 1969 fuhr. Da passten schon 260 Personen drauf. Die zweite Stedingen von 1972 schwimmt jetzt in Irland als Mary Fitzgerald. Manchmal hatten Auofahrer Schwierigkeiten, mit dem Auto wieder von der Fähre zu kommen, so wie der Fahrer des Borgwards hier. Aber das war eine Ausnahmesituation, das war die Sturmflut 1962, es war erstaunlich, dass die Fähren da überhaupt fuhren.

Die Fährleute waren gewieft darin, die Fähren so voll wie möglich zu kriegen. Erst wenn die Fähre voll wie eine Sardinendose war, fuhr sie ab. Manchmal, wenn man das letzte Auto war, gab es Unterlegkeile für das Auto, und das Heck des Wagens schwebte über der Weser. Da habe ich auf dem Rücksitz immer gebibbert. Und gebetet, dass wir nicht rückwärts in die Weser kippen. So etwas passiert heute nicht mehr, die Fähren sind nicht mehr lindgrün wie die alte Stedingen. Es sind bunte, stromlinienförmige Monster, die im Zehnminutentakt verkehren. Die Fährromantik ist dahin. Heute werden beinahe drei Millionen Fahrgäste jährlich zwischen Vegesack und Lemwerder befördert.

Ein bisschen Romantik ist noch auf diesem Bild, das die Direktorin des Overbeck Museums Dr Katja Pourshirazi dem Publikum zeigt. Fritz Overbeck hat hier um 1906 die Fähre Frieda gemalt, vielleicht ist das kleine Mädchen im blauen Kleid ganz rechts seine Tochter gewesen. 

Das kleine Bild (Öl auf Karton - 36 x 46 cm) ist das beliebteste Bild des Museums. Sie ist unsere 'Mona Lisa', hat Katja Pourshirazi über Overbecks Fähre Frieda gesagt. Vielleicht sollte man das Bild Mona Frieda nennen.

Weserfähren

Wenn man klein ist,  Huckleberry Finn  gelesen hatte, aber statt des Mississippi nur die  Weser  vor der Tür hatte, dann war die einfachste ...